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Schwacher Euro und teures Benzin   November 2000
 
José Luis Hernández Socorro Curriculo
Ökonom. Direktor von Gestiones.com
 
Nach den Sommerferien treffen wir auf zwei besorgniserregende Nachrichten im europäischen Wirtschaftspanorama. Zum einen ist die Währung des europäischen Raums, der Euro, weiterhin schwach, zum anderen ist da die Verteuerung des Erdöls.

Der Euro scheint seine Glaubwürdigkeit in der Europäischen Union zu verlieren. Die neue Währung, die von elf Ländern der Europäischen Union angenommen wurde, verliert jeden Tag an Wert gegenüber den zwei anderen grossen Währungen der Welt, dem Dollar und dem Yen. In etwas mehr als 18 Monaten hat der Euro 26% des Werts hinsichtlich des Dollars und 30% hinsichtlich des Yen verloren. Ausserdem hat er der Euro 12,5% gegenüber dem Pfund eingebüsst.

Die europäischen Länder dachten, der Euro würde diesen beiden starken Währungen gegenüber wettbewerbsfähig sein, doch in der Realität hat es ganz anders ausgesehen.

Die Personan, die auf die amerikanische Währung gesetzt haben, haben sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr grosse Gewinne verzeichnet. Die Amerikaner haben auf den europäischen Kapitalmärkten eine ausgezeichnete Finanzierungsform mit sehr niedrigen Zinsen vorgefunden. Bei der Zurückzahlung der Kredite machen sie nocheinmal Gewinn, weil sie weniger Euros zahlen.

Die europäischen Länder müssen Massnahmen ergreifen, um die Stärke des Euro wiederzuerlangen. Die nordamerikanische Wirtschaft ist attraktiver für Investitionen als die europäische. Der hauptsächliche Vorteil des Wertverlusts des Euro sind die einfacheren Exporte, gleichzeitig verteuert er aber die Einfuhr. Abgesehen davon impliziert eine schwache Währung auf lange Sicht eine sich verringerndere Kaufkraft der Europäer gegenüber denjenigen Ländern ausserhalb der Europäischen Union. Die Europäische Zentralbank hat zwei Handlungsmechanismen zur Verfügung: Euros kaufen, den Zinssatz steigern oder ein Kombination aus beiden Strategien.

Die kanarische Wirtschaft ist zudem mit der britischen Währung verknüpft. Das Pfund ist sehr stark, daher investieren die Briten gerne in den kanarischen Tourismus. Aber man weiss nicht, was in der Zukunft mit den Ländern geschieht, die nicht den Euro als Währung übernommen haben (England, Schweden und Dänemark).

Ein andere Thema, worüber die westliche Wirtschaft besorgt ist, ist das Erdöl. Der Preis des Barrel ist auf über 30 Dollar gestiegen.

Für die spanische Wirtschaft wird das eine um einen halben Punkt steigende Inflation bedeuten, eine Erhöhung des Zinssatzes um mindestens einen Punkt und eine Schmälerung des voraussichtlichen Wachstums des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr.

Negative Effekte auf Investitionen, Gehälter und Beschäftigung sind ebenfalls möglich.

Die produzierenden Länder erschrecken die westlichen Staaten angesichts der schlechten Erwartungen, dass die Preise weiter steigen.

All das hat auch ersichtliche Auswirkungen auf die kanarische Wirtschaft. Ein hoher Erdölpreis bedeutet einen Anstieg der Flugpreise. Wenn man hierzu noch die wirtschaftlichen Probleme der Länder addiert, die uns Touristen schicken, können wir behaupten, dass die Zukunft nicht gerade freundlich aussieht.

Die europäischen Länder müssen über diese beiden wirtschatlichen Faktoren (Euro und Erdöl) nachdenken, denn die Kombination von schwachem Euro und teurem Erdöl kann auf lange Sicht wichtige ökonomische Probleme verursachen.

Die Steigerung des Zinssatzes, die die Europäische Zentralbank vorgenommen hat, scheint nicht die Zauberlösung der Probleme des schwachen Euros zu sein. Europa fällt es schwer, mit der nordamerikanischen Wirtschaft zu konkurrieren, die zur Zeit wettbewerbsfähiger und attraktiver ist als die Ökonomie in Europa.

 
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