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Die Kanaren auf der Suche nach Qualität   September 2001
 
José Luis Hernández Socorro Curriculo
Ökonom. Direktor von Gestiones.com
 
Die Kanarischen Inseln haben sich in den letzten 15 Jahren wirtschaftlich stark entwickelt. Es wurde ein Wirtschafts- und Lebensniveau erreicht, wie es noch vor 30 oder 40 Jahren undenkbar war. Man denke nur einmal daran zurück, als die Kanarischen Inseln wirtschaftlich harte Zeiten durchlebten und die Auswanderung auf den amerikanischen Kontinent - vorzugsweise nach Venezuela - für viele der einzige Ausweg aus der finanziellen Not war. Die schlechte Finanzsituation hatte verschiedene Gründe: die herrschende Wasserknappheit, der trockene Boden und die damit verbundenen Schwierigkeiten der Landwirtschaft, fehlende Industrialisierung, große Entfernung zu den europäischen Märkten, in Inseln aufgegliedertes Territorium, fehlende Ausbildung der Arbeiter, etc.

Dennoch entwickelte sich in den siebziger Jahren ein starker Tourismussektor. Gebiete wie Playa del Ingles, Maspalomas, Puerto de la Cruz, Playa de las Americas usw. begannen, sich durch den Tourismus zu entwickeln. Auf Lanzarote begann die Entwicklung etwas langsamer und unter Aufsicht des berühmten Inselkünstlers, der der Insel ein eigenes Gesicht gab: César Manrique.

Ohne Zweifel war der Tourismus der wirtschaftliche Antrieb der Kanaren. Aus diesem Grund sind sich die Kanarischen Behörden bewusst, dass dieser Sektor weiterhin besondere Beachtung verdient. Doch die natürlichen Ressourcen der Kanaren sind unser eigentlicher Reichtum und deshalb strengt sich die Kanarische Regierung an, unseren Lebensraum und die Naturlandschaften zu erhalten. Um aber die wirtschaftliche und soziale Entwicklung beizubehalten und um diese mit der Erhaltung der natürlichen Ressourcen in Einklang zu bringen, müssen die Politiker handeln und mit neuen Gesetzen die Expansión derjenigen Wirtschaftzweige begrenzen, die unseren Lebensraum zerstören.

In den letzten Jahren hat das touristische Wachstum schnell zugenommen - neue Apartmentanlagen, Hotels, Häuser und andere Anlagen wurden gebaut - und auch die nicht-einheimische Bevölkerung, angelockt durch die guten wirtschaftlichen Bedingungen, ist schnell angewachsen. Daher soll die Gesetzgebung dazu dienen, den Bau von Appartmentanlagen zu bremsen, denn damit stellt sich gleichzeitig die Frage, welche Entwicklung wir für unsere Erben wollen. Zusammengefasst: was die Regierung will ist mehr Qualität statt Quantität.

In Zukunft will die Regierung den Bau von Appartmentanlagen endgültig stoppen und nur noch Hotelanlagen mit hohem Qualitätsstandard und entsprechenden Einrichtungen für Freizeit und zur Gesundheitsförderung zulassen, z. B. ein Fünf-Sterne-Hotel, das zusätzlich zur Unterkunft noch ein Wellnessbad, Thalassotherapie, oder andere gesundheitsfördernde Einrichtungen bietet. Andere Maßnahmen wären die Renovierung von älteren Hotel- und Apartmentanlagen, ohne jedoch deren Kapazität zu erhöhen. Es soll auch versucht werden, das Bettenangebot zu verringern oder zumindest den -zuwachs zu stoppen und außerdem die Vergabe der Baugenehmigungen genauer zu kontrollieren. Dennoch ist jede Insel eine Welt für sich und so müssen touristisch weniger entwickelte Inseln wie La Palma, La Gomera und El Hierro anders behandelt werden, weil dort der Druck nicht so groß ist wie auf den anderen Inseln.

Auf der anderen Seite sollen die Möglichkeiten des alternativen Tourismus, wie z. B. des Landtourismus, voll ausgeschöpft werden. Diese Form des Tourismus, die sich so vom Massentourismus unterscheidet, ist erwünscht und und seine Entwicklung soll unterstützt werden. Auch die Erhaltung von historisch wertvollen oder architektonisch interessanten Gebäuden, die als solche von den Städteplanern katalogisiert wurden, soll gefördert werden. Der Bau von Hotels im Zusammenhang mit Golfplätzen, Sporthäfen oder Freizeitparks, Sport- und Wellnessanlagen, für die Präventivmedizin, Wellnessfarmen, usw. bleibt weiterhin erlaubt.

Auf den Kanaren sollen nicht die gleichen Fehler begangen werden, wie in anderen Gebieten Spaniens, z. B. an der Costa del Sol, wo der Bauboom touristischer Anlagen die Landschaft zum großen Teil zerstört und man nur dem Massentourismus Rechnung getragen hat. Deshalb ist das, was die Regierung will: Qualität statt Quantität.

 
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