Die Kanarischen Inseln haben sich
in den letzten 15 Jahren wirtschaftlich stark entwickelt.
Es wurde ein Wirtschafts- und Lebensniveau erreicht, wie es
noch vor 30 oder 40 Jahren undenkbar war. Man denke nur einmal
daran zurück, als die Kanarischen Inseln wirtschaftlich
harte Zeiten durchlebten und die Auswanderung auf den amerikanischen
Kontinent - vorzugsweise nach Venezuela - für viele der
einzige Ausweg aus der finanziellen Not war. Die schlechte
Finanzsituation hatte verschiedene Gründe: die herrschende
Wasserknappheit, der trockene Boden und die damit verbundenen
Schwierigkeiten der Landwirtschaft, fehlende Industrialisierung,
große Entfernung zu den europäischen Märkten,
in Inseln aufgegliedertes Territorium, fehlende Ausbildung
der Arbeiter, etc.
Dennoch entwickelte sich in den
siebziger Jahren ein starker Tourismussektor. Gebiete wie
Playa del Ingles, Maspalomas, Puerto de la Cruz, Playa de
las Americas usw. begannen, sich durch den Tourismus zu
entwickeln. Auf Lanzarote begann die Entwicklung etwas langsamer
und unter Aufsicht des berühmten Inselkünstlers,
der der Insel ein eigenes Gesicht gab: César Manrique.
Ohne Zweifel war der Tourismus der wirtschaftliche
Antrieb der Kanaren. Aus diesem Grund sind sich die Kanarischen
Behörden bewusst, dass dieser Sektor weiterhin besondere
Beachtung verdient. Doch die natürlichen Ressourcen
der Kanaren sind unser eigentlicher Reichtum und deshalb
strengt sich die Kanarische Regierung an, unseren Lebensraum
und die Naturlandschaften zu erhalten. Um aber die wirtschaftliche
und soziale Entwicklung beizubehalten und um diese mit der
Erhaltung der natürlichen Ressourcen in Einklang zu
bringen, müssen die Politiker handeln und mit neuen
Gesetzen die Expansión derjenigen Wirtschaftzweige
begrenzen, die unseren Lebensraum zerstören.
In den letzten Jahren hat das touristische
Wachstum schnell zugenommen - neue Apartmentanlagen, Hotels,
Häuser und andere Anlagen wurden gebaut - und auch
die nicht-einheimische Bevölkerung, angelockt durch
die guten wirtschaftlichen Bedingungen, ist schnell angewachsen.
Daher soll die Gesetzgebung dazu dienen, den Bau von Appartmentanlagen
zu bremsen, denn damit stellt sich gleichzeitig die Frage,
welche Entwicklung wir für unsere Erben wollen. Zusammengefasst:
was die Regierung will ist mehr Qualität statt Quantität.
In Zukunft will die Regierung den Bau
von Appartmentanlagen endgültig stoppen und nur noch
Hotelanlagen mit hohem Qualitätsstandard und entsprechenden
Einrichtungen für Freizeit und zur Gesundheitsförderung
zulassen, z. B. ein Fünf-Sterne-Hotel, das zusätzlich
zur Unterkunft noch ein Wellnessbad, Thalassotherapie, oder
andere gesundheitsfördernde Einrichtungen bietet. Andere
Maßnahmen wären die Renovierung von älteren
Hotel- und Apartmentanlagen, ohne jedoch deren Kapazität
zu erhöhen. Es soll auch versucht werden, das Bettenangebot
zu verringern oder zumindest den -zuwachs zu stoppen und
außerdem die Vergabe der Baugenehmigungen genauer
zu kontrollieren. Dennoch ist jede Insel eine Welt für
sich und so müssen touristisch weniger entwickelte
Inseln wie La Palma, La Gomera und El Hierro anders behandelt
werden, weil dort der Druck nicht so groß ist wie
auf den anderen Inseln.
Auf der anderen Seite sollen die Möglichkeiten
des alternativen Tourismus, wie z. B. des Landtourismus,
voll ausgeschöpft werden. Diese Form des Tourismus,
die sich so vom Massentourismus unterscheidet, ist erwünscht
und und seine Entwicklung soll unterstützt werden.
Auch die Erhaltung von historisch wertvollen oder architektonisch
interessanten Gebäuden, die als solche von den Städteplanern
katalogisiert wurden, soll gefördert werden. Der Bau
von Hotels im Zusammenhang mit Golfplätzen, Sporthäfen
oder Freizeitparks, Sport- und Wellnessanlagen, für
die Präventivmedizin, Wellnessfarmen, usw. bleibt weiterhin
erlaubt.
Auf den Kanaren sollen nicht die gleichen
Fehler begangen werden, wie in anderen Gebieten Spaniens,
z. B. an der Costa del Sol, wo der Bauboom touristischer
Anlagen die Landschaft zum großen Teil zerstört
und man nur dem Massentourismus Rechnung getragen hat. Deshalb
ist das, was die Regierung will: Qualität statt Quantität.