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Die Anziehungskraft der Küstenregionen   April 2002
 
José Luis Hernández Socorro Curriculo
Ökonom. Direktor von Gestiones.com
 
In den Jahren 1995 bis 2001 wurden in Spanien mehr als drei Millionen Wohnungen gebaut. Die Hälfte davon in Küstengebieten. Sowohl Spanier als auch die Einwohner der anderen europäischen Länder suchen Sonne und Strand, sei es, um den Urlaub zu genießen oder aber um dort den Lebensabend zu verbringen. Jedoch hat die Unsicherheit nach den Ereignissen vom September 2001 dazu geführt, dass zukünftige Investoren genau überlegen, bevor sie in spanische Immobilien investieren.

Das Urlaubsgebiet Kanarische Inseln ist im Wesentlichen von zwei vorherrschenden Urlaubernationen abhängig: Deutschen und Engländern. Deutschland erleidet zur Zeit einen wirtschaftlichen Abschwung oder anders gesagt ein Negativwachstum. Dies hat direkte Auswirkungen auf den Tourismus, der aus diesem Land auf die Kanaren kommt. Im Gegensatz dazu ist England wirtschaftlich gesehen auf gutem Wege und die Statistiken sagen gleichbleibende Besucherzahlen voraus. Sie prognostizieren sogar, dass die Wirtschaft im Verlauf des Jahres leicht angekurbelt wird.

In diesem Jahr fragt man sich, ob der Immobiliensektor und somit Hauptsektor für touristische Investitionen, sich weiter so verhält, wie in den Vorjahren. Aber analysieren wir vorher einige Aspekte:

1. Die Volkswirtschaften einzelner Länder ist miteinander verflochten, d. h. was sich wirtschaftlich in Deutschland oder England abspielt, hat schnell auch Auswirkungen auf die Kanaren.

2. Der Wirtschaftszweig Tourismus wird weiter wachsen, aber die wirtschaftliche Umwälzung der Stammländer wie z. B. Deutschland könnte dazu führen, dass die Urlauberqualität sinkt, wenn die Preise sinken. Dies wiederum führt zu einem schlechten Image.

3. Die Reiseveranstalter versuchen zur Zeit die Preise nach unten zu drücken, was zu einer Senkung der Rentabilität führt.

4. Die sog. Last-Minute-Reisen liegen im Trend, was eine Planung erschwert.

5. Spanien und die Kanarischen Inseln besitzen einen wichtigen Immobilienmarkt für Zweitwohnsitze für Deutsche, Engländer und andere Europäer.

Im Jahre 2002 hat man aus den folgenden Gründen einen Rückgang für diesen Markt vorhergesagt:

1. Die nationale Nachfrage hat den Gipfel erreicht.

2. Das zu hohe Preisniveau

3. Eine wirtschaftliche Verlangsamung in Europa, die den größten Teil der geplanten Investitionen für Ferienhäuser bis zum Jahre 2003 verzögern wird.

Es besteht jedoch nach wie vor die klare Tendenz zum Urlaub in Privatunterkünften anstatt im Hotel. Dies sieht man am besten in spanischen Urlaubsregionen, wie z. B. der Costa del Sol, wo im letzten Jahr die Anzahl der privat untergebrachten Urlauber die der Hotelgäste überstieg.

Der Euro erlaubt nun den Zentraleuropäern den direkten Preisvergleich spanischer Häuser mit den Preisen in ihrem Land und sie können feststellen, dass Spanien im Preis-Leistungsverhältnis noch immer günstig ist. Im Vergleich mit Immobilienpreisen der Toskana oder Côte d´Azur schneidet Spanien immer noch besser ab.

Außerdem muss man berücksichtigen, dass der Immobilienmarkt in Spanien nicht nur durch den wirtschaftlichen Wohlstand, den das Land durchlebte und noch durchlebt, belebt wurde sondern auch dadurch, dass der Steuersatz, den man nun bezahlt wesentlich geringer ist als der Prozentsatz, der noch vor 10 Jahren entrichtet wurde. Damals war der Immobilienmarkt nur für die obereste Gesellschaftsschicht reserviert.

Die Preise für Neubauten wuchsen in Spanien zwischen Juni 1999 und Juni 2000 (laut einem Bericht der Immobilienberatung TINSA) im Durchschnitt um 14% und lagen bei ca. 164.300 Peseten (987 Euro)pro Quadratmeter. Auf den Kanaren stiegen die Preise hingegen durchschnittlich um 22%. Ein weiterer Grund für eine Preissteigerung auf den Kanaren war die Knappheit von Bauland, besonders in Tourismusgebieten. Außerdem wurde der Markt durch das sogenannte Moratorium (die Regierung will die touristische Aktivität stoppen) verlangsamt. Und die sogenannte RIC (Reserva para Inversiones en Canarias – Investitionsrücklagen auf den Kanaren oder Reinvestition der Unternehmensgewinne auf den Kanarischen Inseln quasi ohne Steuern zu bezahlen) führt dazu, dass viele Unternehmen Immobilien für den Tourismusmarkt bauen, um ihre Gewinne zu reinvestieren, da sie andernfalls 35% Steuern zahlen müssten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass man besonders in der ersten Hälfte des Jahres 2002 Vorsicht auf dem Immobilienmarkt walten lassen sollte, da nicht absehbar ist, wohin dieser führt. Vielleicht gibt es Mitte des Jahres Investoren, die ihre Hypotheken nicht mehr zahlen können und der Moment für ein Schnäppchen wäre günstig. Aber leider weiss man nie, was passieren wird, denn in der Wirtschaft gibt es ein ständiges Auf und Ab.

 
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