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Schwankungen im Tourismussektor   September 2002
 
José Luis Hernández Socorro Curriculo
Ökonom. Direktor von Gestiones.com
 
Der Tourismus ist einer der wesentlichen Eckpfeiler der spanischen Wirtschaft. So ist dieser Sektor von 35 Millionen Touristen im Jahre 1995 auf 50 Millionen im Jahre 2001 angewachsen. Dieser wesentliche Zustrom machte Spanien zum zweit meistbesuchten Land in der ganzen Welt. Wie das nationale Amt für Statistik mitteilte, betrug der Anteil des Tourismus im Jahre 1999 12% des Bruttoinlandproduktes und schaffte Arbeitsplätze für mehr 10% der arbeitenden Bevölkerung.

Nachdem der Tourismus im den ersten sechs Monaten diesen Jahres stagnierte, zeigt sich für die Sommersaison ein besorgniserregender Rückgang der Zahlen an. Mallorca, die Costa del Sol und die kanarischen Inseln erleben zur Zeit eine Abnahme der Reservierungen, die in einigen Fällen sogar bei einem Minus von 25% des Vorjahres liegt. Die Hauptursache dafür ist der Rückgang des deutschen Marktes und ebenso - wenn auch nicht so gravierend - Abnahme des englischen Marktes.

Die Gründe hierfür könnten sein:

1. Nach den Vorfällen des 11. September letzten Jahres existierte eine Angst vor Flugreisen. Aber nach einer ersten Panik hat sich diese nach und nach wieder gelegt.

2. Änderung der Urlaubsgewohnheiten. Der Urlauber möchte nicht nur Sonne und Strand, sondern verlangt mittlerweile nach anderen Angeboten. (z. B. Ökotourismus, Land-, Sport-, Kultur-, Wellness- usw.)

3. Die Wirtschaftlichskrise in Deutschland, traditionell einer der wichtigsten "Kunden" Spaniens, macht sich besonders bemerkbar. Dazu kommen erschwerend die Überschwemmungen diesen Jahres hinzu, die die Reiselust der Deutschen noch weiter bremsen werden. Der deutsche Urlauber ist in diesem Jahr entweder ganz zu Hause geblieben oder hat andere, billigere Urlaubsziele wie Kroatien, Türkei oder Ex-Jugoslawien bevorzugt.

4. Der ursprüngliche Qualitätstourismus hat sich in einen Massentourismus verwandelt, der über wesentlich geringere Kaufkraft verfügt. Dies bereitet natürlich den Hoteliers Probleme, die Kosten einsparen müssen, was wiederum zu Lasten der Qualität im Service geht. Um dieses Problem zu meistern, empfehlen die Experten Golfplätze zu bauen und das Freizeitangebot zu erweitern, um Urlauber mit hoher Kaufkraft anzuziehen und die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

5. Das Phänomen Internet hat den Preiskampf und den Wettbewerb der Urlaubsziele verstärkt. Der potentielle Urlauber kann nun die Urlaubsregionen und Preise unmittelbar vergleichen.

6. Die internationale Wirtschaftskrise und die Instabilität an den Börsen stimmen die Menschen nachdenklich und schaffen dem Tourismus keinerlei Anreiz.

7. Die Einführung der sog. Ökosteuer auf den Balearen, die dazu dienen soll, die Umweltschäden auszumerzen, die durch eine Überbauung des Gebietes enstanden sind, und den Umweltschutz zu verbessern (Land, Wasser und Energien).

8. Die Kanaren haben durch fehlende Planung, Koordination und Kontrolle einen herben Schlag erlitten. Die kanarische Regierung hat es nicht verstanden, das Tourismusgebiet zu planen und die Gemeinden haben ihre Gebiete nicht genügend kontrolliert. So kommt es, dass man in vielen Gebieten der Kanaren den Beispielen der Costa del Sol, Benidorm, etc. gefolgt ist, mit den entsprechenden Konsequenzen. So wurden "Hotelbunker" errichtet, die die Küsten verschandeln (Süden Gran Canarias, Süden Teneriffas) und sich negativ auf den Qualitätstourismus auswirken. Jedoch wurde auf Inseln wie Lanzarote, wo das Erbe Cesar Manriques das ökologische Bewußtsein geschärft hat, diese Negativtendenz deutlich gebremst.

9. Der Preiskampf der Reiseveranstalter und Hoteliers wird zu einem Verlust der Rentabilität und somit zu einer schlechteren Servicequalität führen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das aktuelle Tourismusmodell übeholt ist und einer gründlichen Überlegung bedarf. Diese Überlegungen muss einerseits die Regierung anstellen, die die Raumordnungspläne erstellt und entsprechende Gesetze dazu verabschiedet. Andererseits müssen die Gemeinden ihre Maßnahmen mit der Regierung abstimmen und zu guter Letzt müssen die Hoteliers in die Renovierung ihrer veralteten Hotelanlagen investieren und das Serviceangebot verbessern. Letztendlich reguliert sich der Markt jedoch von selbst oder es werden regulierende Maßnahmen getroffen, die allerdings manachmal zu spät.

 
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