Der Tourismus ist einer der wesentlichen
Eckpfeiler der spanischen Wirtschaft. So ist dieser Sektor
von 35 Millionen Touristen im Jahre 1995 auf 50 Millionen
im Jahre 2001 angewachsen. Dieser wesentliche Zustrom machte
Spanien zum zweit meistbesuchten Land in der ganzen Welt.
Wie das nationale Amt für Statistik mitteilte, betrug
der Anteil des Tourismus im Jahre 1999 12% des Bruttoinlandproduktes
und schaffte Arbeitsplätze für mehr 10% der arbeitenden
Bevölkerung.
Nachdem der Tourismus im den ersten sechs Monaten diesen
Jahres stagnierte, zeigt sich für die Sommersaison
ein besorgniserregender Rückgang der Zahlen an. Mallorca,
die Costa del Sol und die kanarischen Inseln erleben zur
Zeit eine Abnahme der Reservierungen, die in einigen Fällen
sogar bei einem Minus von 25% des Vorjahres liegt. Die Hauptursache
dafür ist der Rückgang des deutschen Marktes und
ebenso - wenn auch nicht so gravierend - Abnahme des englischen
Marktes.
Die Gründe hierfür könnten sein:
1. Nach den Vorfällen des 11. September
letzten Jahres existierte eine Angst vor Flugreisen. Aber
nach einer ersten Panik hat sich diese nach und nach wieder
gelegt.
2. Änderung der Urlaubsgewohnheiten.
Der Urlauber möchte nicht nur Sonne und Strand, sondern
verlangt mittlerweile nach anderen Angeboten. (z. B. Ökotourismus,
Land-, Sport-, Kultur-, Wellness- usw.)
3. Die Wirtschaftlichskrise in Deutschland,
traditionell einer der wichtigsten "Kunden" Spaniens,
macht sich besonders bemerkbar. Dazu kommen erschwerend
die Überschwemmungen diesen Jahres hinzu, die die Reiselust
der Deutschen noch weiter bremsen werden. Der deutsche Urlauber
ist in diesem Jahr entweder ganz zu Hause geblieben oder
hat andere, billigere Urlaubsziele wie Kroatien, Türkei
oder Ex-Jugoslawien bevorzugt.
4. Der ursprüngliche Qualitätstourismus
hat sich in einen Massentourismus verwandelt, der über
wesentlich geringere Kaufkraft verfügt. Dies bereitet
natürlich den Hoteliers Probleme, die Kosten einsparen
müssen, was wiederum zu Lasten der Qualität im
Service geht. Um dieses Problem zu meistern, empfehlen die
Experten Golfplätze zu bauen und das Freizeitangebot
zu erweitern, um Urlauber mit hoher Kaufkraft anzuziehen
und die Wirtschaft wieder anzukurbeln.
5. Das Phänomen Internet hat den
Preiskampf und den Wettbewerb der Urlaubsziele verstärkt.
Der potentielle Urlauber kann nun die Urlaubsregionen und
Preise unmittelbar vergleichen.
6. Die internationale Wirtschaftskrise
und die Instabilität an den Börsen stimmen die
Menschen nachdenklich und schaffen dem Tourismus keinerlei
Anreiz.
7. Die Einführung der sog. Ökosteuer
auf den Balearen, die dazu dienen soll, die Umweltschäden
auszumerzen, die durch eine Überbauung des Gebietes
enstanden sind, und den Umweltschutz zu verbessern (Land,
Wasser und Energien).
8. Die Kanaren haben durch fehlende Planung,
Koordination und Kontrolle einen herben Schlag erlitten.
Die kanarische Regierung hat es nicht verstanden, das Tourismusgebiet
zu planen und die Gemeinden haben ihre Gebiete nicht genügend
kontrolliert. So kommt es, dass man in vielen Gebieten der
Kanaren den Beispielen der Costa del Sol, Benidorm, etc.
gefolgt ist, mit den entsprechenden Konsequenzen. So wurden
"Hotelbunker" errichtet, die die Küsten verschandeln
(Süden Gran Canarias, Süden Teneriffas) und sich
negativ auf den Qualitätstourismus auswirken. Jedoch
wurde auf Inseln wie Lanzarote, wo das Erbe Cesar Manriques
das ökologische Bewußtsein geschärft hat,
diese Negativtendenz deutlich gebremst.
9. Der Preiskampf der Reiseveranstalter
und Hoteliers wird zu einem Verlust der Rentabilität
und somit zu einer schlechteren Servicequalität führen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass das aktuelle Tourismusmodell
übeholt ist und einer gründlichen Überlegung
bedarf. Diese Überlegungen muss einerseits die Regierung
anstellen, die die Raumordnungspläne erstellt und entsprechende
Gesetze dazu verabschiedet. Andererseits müssen die
Gemeinden ihre Maßnahmen mit der Regierung abstimmen
und zu guter Letzt müssen die Hoteliers in die Renovierung
ihrer veralteten Hotelanlagen investieren und das Serviceangebot
verbessern. Letztendlich reguliert sich der Markt jedoch
von selbst oder es werden regulierende Maßnahmen getroffen,
die allerdings manachmal zu spät.